Von Annika Rudack

Ich höre den Klang oder den Ton oder wie auch immer, auf jeden Fall der Melodie. Auf jeden Fall der Melodie eines Akkordeons. Während diese klangvolle Durchsage im Zug erschallt, starre ich nur auf mein Handy. Viele Leute würden sagen ich wäre unhöflich.

Doch weswegen?

Ich sitze im Zug und ich kenne hier niemanden.

Ich sitze im Zug, heimlich, still und leise.

Kaum jemand nimmt mich wahr.

Trotzdem werde ich wahrgenommen.

Das weiß ich. Mir wird oft gesagt, dass ich ein schönes Gesicht hätte. Doch auf einer Skala von 1-10 hätte ich mir wohl höchstens eine 5 gegeben. Warum? Fragen sie mich? Weil ihr nicht nett zu mir ward, sage ich.

Ich habe Narben, in meinem inneren. Keine sichtbaren, aber sie sind da.ich fühle sie nicht mal. Ich musste sie verdrängen, um weiter ertragen zu können was ihr tut. Irgendwann fing  ich an zu Schreiben. Niemals über Leiden, immer über das Schöne im Leben und das ich jedem kann vergeben. Ich bin ein gutmütiger Mensch und das weiß ich auch. Ich kann nichts dran ändern, auch wenn mir das schon oft empfohlen wurde. Doch wie soll ich plötzlich ein anderer Mensch sein?

Ich bin kein anderer Mensch.

Mit dem Schreiben habe ich gelernt zu leben. Doch man sollte niemals erstreben, zu viel zu schreiben. Ich habe Angst vor dem Lesen. Es war meine Flucht aus dem Leben. Es war mein Anfang vom erstreben perfekt zu werden. Ich bin nicht perfekt. Das wusste ich ganz genau, doch ich wollte beweisen, wie toll ich bin. Dass ich toll bin. Ihr wusstet nichts über mich, jetzt hab ich Freunde gefunden. Ihr denkt zu wissen, ihr wisst alles. Doch wir wissen mehr.