Von Winfried Dittrich
Eckard, Dagmar und Konrad gingen zielstrebig durch den weitgehend leeren Supermarkt. Um diese Uhrzeit, 21 Uhr und 47 Minuten, an einem Samstagabend, waren nur noch diejenigen dort anwesend, die dringende Anschaffungen für die Nacht zum Sonntag machen mussten, die also Alkohol, Tabakwaren, Kondome oder Scheuermilch besorgen mussten.
Dort, wo der Wein, der Schaumwein und deren alkoholfreie Varianten standen, machten die drei Freunde halt. Ungläubig betrachteten sie die sich vor ihnen nach links und rechts aufspannende Verkaufslandschaft. Etwas irritierte sie, denn es war nicht mehr der gewohnte Anblick. Dort, wo zwischen den Weinen aus Spanien, Italien, Chile, Griechenland, Argentinien, aus den unterschiedlichen deutschen Weinregionen sowie aus Portugal und Frankreich sonst immer die US-amerikanischen Traubenmostprodukte platziert gewesen waren, klaffte nun eine breite Lücke. Man hatte das entsprechende Regal nicht einfach geleert; man hatte es ganz entfernt. Und so wurde sichtbar, dass das nunmehr entfernte Regal an der Wand dahinter eine an sich unscheinbare Tür verborgen hatte.
„Raum für Notizen“, murmelte Eckard.
„Hää …?“, meinte Dagmar.
„Das Türschild“, sagte Konrad.
„Zum Machen oder zum Aufbewahren“, fragte Eckard.
„Hää …?“, meinte Dagmar.
„Die Notizen“, sagte Konrad.
Eckard ging zu der Tür und betätigte die Türklinke.
„Abgeschlossen“, murmelte Eckard.
„Hah …!“, rief Dagmar.
„Hmm …“, meinte Konrad. „Lasst uns mal weitergehen. Die Scheuermilch ist nur noch bis heute im Angebot.“
„Aber nur die mit Zitronengeschmack, Konrad“, sagte Eckard.
„Hmm …“, meinte Dagmar.
„Auf geht’s!“, rief Konrad. „Ich mag Zitrone!“
Es war 21 Uhr und 58 Minuten, als sie die sieben Flaschen Scheuermilch auf das Kassenband legten.
Es war 21 Uhr und 59 Minuten, als Eckard seine Kreditkarte an das Kartenlesegerät hielt, um heute mal einen auszugeben.
Es war Punkt 22 Uhr, als Eckard, Dagmar und Konrad durch die gläserne Schiebetür nach draußen schritten, während Dagmar sich über die ungewöhnliche Länge des Kassenbons wunderte, über den langen, unbedruckten Bereich am unteren Ende des Papierstreifens und über die dort platzierte Überschrift Raum für Notizen.
Wenn Sie bis hierhin durchgehalten und falls Sie noch ein wenig mehr Lebenszeit zu verschwenden oder zu investieren haben (je nachdem), dann tippen Sie diese Geschichte auf einer Schreibmaschine ab. Und dann folgt ab hier, direkt und unmittelbar Ihr
Raum für Notizen:
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