Von Christiane Labusga

Easy putzt jetzt bei Tante Frieda, eine Cousine von Oma Schmodtke, die einen kleinen Eckladen hat. Da kann man abends noch bis Zwölf einkaufen, aber dann sinkt Frieda in Tiefschlaf, und weil sie auch nicht mehr die Jüngste ist, braucht sie jemanden, der morgens, vor Sieben, noch mal durchwischt.

Am Zeitschriftenregal riecht es donnerstags immer nach aromatischen Zigarren und hochprozentiker Alkoholika. Anscheinend versucht Frieda dadurch einen gediegenen Kaufanreiz zu schaffen. Denkt Easy.

Dann kommt der Tag der Wahrheit. Easy geht noch spät einkaufen, aber weil Frieda gerade die Türen schließt, verzieht sich Easy in die hinteren Gänge, wo Frieda ihn nicht sehen kann. Eine kleine Gehaltsaufbesserung, denkt Easy, wird schon kein Drama sein.

Dann merkt er, dass er den Ladenschlüssel vergessen hat. Also muss er bis morgen früh ausharren. Wenn Frieda aufschließt. Und bemerkt, dass er nicht geputzt hat – äh, nein, er kann ja trotzdem putzen, er ist ja schon hier. Und das Zeug, dass er sich geholt hat, er war ja mit bestem Gewissen spät einkaufen!

Er kann ja schon jetzt einkaufen. Wie üblich beginnt er bei den kaltenTheken (beim Fischzuerst), wischt sich dann durch die Gänge um schließlich beim Zeitschriftenregal mit einem großen Wischschwung die Arbeit zu beenden.

Aber heute ist das Regal weggeräumt und dahinter kommt eine Tür zum Vorschein.

„Was ist das?“, denkt Easy. Und kratzt sich am Kopf. „War doch eben noch nicht da?“

Da Easy mit dem Putzen fertig ist und gerade eine Neugier-Infusion hatte, öffnet er die Tür. Dahinter sieht er

Sechs Personen sitzen an einem ovalen Tisch. Sie haben alle Basecaps auf und die Schirme tief ins Gesicht gedrückt. Denn von oben erhellt eine Tausend-Watt(gefühlt)-Lampe den Tisch. Und alle rauchen Zigarren oder Zigarillo und jeder und jede hat (dem Geruch nach) etwas Hochprozentiges in Reichweite stehen. Frieda ist im Qualm unter ihrer Schirmmütze kaum zu erkennen.

„Wow“, denkt Easy, „eine Pokerrunde!“

 Dann schaut er auf die Hände. Alle haben ein Smartphone in der Hand. Schummeln unmöglich, es wird nur nach den Anzeigen im Phone gespielt, gesetzt, gewonnen oder verloren.

„Uh“, denkt Easy, „nichts für mich. Dann mach ich mal, dass ich nach Hause komme, damit ich die Spuren morgen früh noch wegputzen kann.“

Aber danach wird er hier nicht mehr herkommen.

 

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