Von Clara Sinn
Hallo, meine herzensweit und seelentief geliebte Sucherin,
du musst über die Zukunft gar nichts wissen.
Lass es dir vernachlässigbare Kleinigkeit sein, wie sie sich gestalten mag, wie ihr beliebt auszufallen. Lebe dich so, dass dir alle Zukunftsbange bedeutungslos sei.
Richte dich nicht an einer angenommenen, erratenen Zukunft aus, sondern an dir selbst.
Vergiss nie, du wirst nie in der Zukunft leben, stets nur in deiner Gegenwart. Umarme freudig die Rätsel des Jetzt, den Neuaufbruch jedes einzelnen Moments.
Ziehe dem Zukunfts- den Ganzheitsblick vor. Spüre deine Tiefen in alle Richtungen.
Werde all dem, das da in dir west und nach Ernstgenommenwerden brennt, gerecht. Immerdar ruft etwas in dir, will etwas gehört, geliebt, geboren werden.
Widme dich den Eingebungen deiner Seele fraglos.
Sie ist der heimliche Quell für Vertrauen, Wohlbefinden, Freudendasein. Halte das Band zu deiner ewigen heiligen Seele unbeschadet und die Zukunft verliert alle Bedrohlichkeit.
Was ist der Ewigkeit schon die Zukunft? Selbst die allerbeste?
Du hast einen Willen, aber bedenke, du bist auch ein Wille. Weit über alle Zeiten hinaus. Präsent. In jedem neuerstandenen Nu.
Fülle deine Zeit
ohne Schielen auf Spekulationen, Spuk, Spinnerei. Bilde dir deine Zukunft
frei.
Wer wärst du ohne diesen Gedanken, was wohl die Zukunft bringen werde?
Viel stürmischer und leidenschaftsdurchglühter statt verunsichert, zaudernd, gelähmt.
Würdige dein Ungestümes durch Umsetzung. In die Tat.
Auf dass es nicht verflache, verfliege, verlustig gehe. Unbemerkt.
Du kannst nichts falsch machen.
Denn an dir ist kein Fehl.
Siehe, ich liebe dich in allem.
Uneingeschränkt.
Gedenke der Unverletzlichkeit deines Selbst und vergiss nicht, du bleibst innerlich intakt auch im wechselvollsten Fluss der Zeiten.
Dir kann nichts passieren.
Lebe getrost kühn und frohgemut.
Wisse dich bejaht.
Unverbrüchlich.
Widme dich dem Spiele, diesem Kindseinkönnen lebenslang.
Wo aber Bedenken herrschen, da weiche fürbass.
Denn das Sorgengift kann ansteckend wirken.
Und den Zugang zur natürlichen Zuversicht verstellen.
Suche dir Seelenverwandte in Fröhlichkeit und Fülle, nie ist das Glas halb leer.
Du bestimmst das ganz alleine, daher wähle unermüdlich das Bessere.
Solange du atmest, wählst du. Tue es bewusst.
Gebrauche deines Bewusstseins. Gern.
Niemand zwingt dich, aus Tatsachen besorgniserregende Tatsachen zu drechseln.
Wer will dir befehlen?
Lass dich nicht verunsichern durch Leute, die Recht haben wollen.
Bleibe bei deiner Klarheit.
Bietet es verlässliche Stütze? Oder lässt es dich ermattet zurück?
Dann sei es dir in Gänze nichtig.
Dein Dasein muss dir gefallen. Letztlich.
Du ganz allein musst es verantworten. Dereinst.
Gib deiner wahren Natur ihren Raum. Du bist zur Leichtigkeit geschaffen.
Für wilde Buntheit, ausgelassenen Tanz und Gesang, Schöpfen aus dem Vollen.
Früher oder später macht jeder die Erfahrung dieser Weisheit.
Du aber geh unbeirrt und dich getragen wissend voran.
Sei deiner Richtung gewiss. Gib deiner Ganzwerdung alles, was sie von dir laufend und zuvörderst braucht.
Bringt’s deinem Gemüte Frieden? Fällt alles Grübeln von dir ab?
Deiner Entscheidung Herrin bist vollständig du selbst.
Egal, was sie dir anbieten mögen, Anerkennung, Zugehörigkeit, Geld als Entschädigung. Räume einer Selbstvernachlässigung dafür nie falschen Platz ein.
Denn teurer als Selbstverleugnung kommt nichts zu stehen.
Und nichts wiegt mehr als Einssein mit sich selbst.
Mit allerinnigstem, allerseligstem nachträglichen Dank vom Sterbebette aus
deine
(unentzifferbares Monogramm)
V1
