Von Clara Sinn

Alle waren verrückt nach diesem Lama.

Dem sie nichts abgewinnen konnte. Nicht, dass die anderen Angebote besser gewesen wären. In dieser Reha-Klinik
am Arsch der Welt.

Ergotherapie. Alberne Bortenhüte basteln. Im Trachtenstil.
Probier’s mal mit dem Lama.
Bin kein Tierfreund.

Schreibtherapie. Die ganze Bandwurmgeschichte. Der kriegsversehrten Familie.
Probier’s mal mit dem Lama, wirst sehn, ist sooo empathisch.
Ich lauf doch nicht neb‘n so‘m Lama her.

Kunsttherapie. Ein misslungener Aschenbecher. Eine windschiefe Vase.
Probier’s mal mit dem La…
Das spuckt doch.

Körpertherapie. Inklusive Qi Gong und Tai Chi. Frühmorgens. Noch vor dem Frühstück.
Probier’s doch mal mit dem Lama.
Fast wäre sie soweit gewesen. Nachzugeben. Aus purer Verzweiflung.

Tanztherapie. Yes!

Am Ende hatte sie den Klinikaufenthalt noch verlängert.
Und die eigenentwickelte Choreo komplett fertiggestellt.

Zuhause wollte sie die neue Ernährungsweise konsequent weiterführen.
Nur die besten und frischesten Zutaten verwenden.

Was sie nicht durchhielt.

Nur noch auf dem Wochenmarkt einkaufen.
Oder sich diese Bauernhofkiste zuschicken lassen.

An diesem Tag schlich sie schlechten Gewissens durch den Discounter.
Wenn es der Biosupermarkt gewesen wäre oder wenigstens ein Edeka oder Rewe …

Labberiger Salat, wabbelige Gurken, wahlweise steingrüne oder faulbraune Bananen. Sie lenkte den Wagen Richtung Tiefkühltruhe. Ob vielleicht irgendwas Gefrostetes …? –

als sich seitlich der Truhe sowas wie eine Türe abzeichnete, die sich im Auswachsen auf Manneshöhe auch schon auftat, und vor ihr stand lebensgroß und unausweichlich dieses

Lama.

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