Von Simone Tröger
Der kleine Tschilp passte leicht mit seinem Köpfchen durch das Einflugloch seiner Behausung. Sein gesamter Körper passte hindurch. Aber ihm war nicht geheuer. Er stellte sich vor, den Halt zu verlieren. Dann würde ihn das große Fell-Tier erwischen und sich genüsslich mit einem „Miau“ die Pfoten lecken.
Er wartete lieber auf seine Mama, denn er war sehr hungrig. Sie brachte in ihrem Schnabel immer einen Leckerbissen von ihrem Ausflug mit. Er hörte in seinem Nistkasten ihren Flügelschlag. Aber sie flog nicht an das Loch im Nistkasten, um ihn zu füttern. Sondern sie landete auf dem Dach. „Tschilp! Du bist doch schon ein großer Junge! Komm heraus! Ich zeige dir, wie man Fliegen fängt. Deine Geschwister üben schon fleißig mit Papa!“
„Aber Mama, ich bin so hungrig. Da kann ich nicht fliegen.“
„Das schaffst du schon! Wenn der Bauch nicht voll ist, fliegt es sich leichter!“
„Aber du erzählst mir doch immer vom Kater, der hier herumstreunt…“
„Kater Morle ist nicht hier. Keine Gefahr! Habe Mut!“
„Aber als meine Geschwister noch hier waren, war es eng. Ich konnte nicht üben, wie es ist, zu fliegen!“
„Du musst nur tüchtig mit den Flügeln auf und ab schlagen.“
„Aber, wenn ich damit nicht schnell genug bin?“
„Der Wind wird dich oben halten.“
„Aber, wenn ich es trotzdem nicht schaffe?“
„Dann ruhst du dich auf dem Zweig eines Baumes aus.“
„Aber wie komme ich von dort wieder weg?“
„Indem du das alles noch einmal wiederholst!“
„Aber, Mama, meinst du, dass ich das kann?“
„Natürlich! Du bist doch mein Tschilp!“
„Aber, es gibt doch auch böse Menschen, sagst du?“
„Wir wohnen hier bei lieben Menschen. Die füttern uns im Winter. Im Sommer haben sie immer ein Schälchen Wasser zur Erfrischung für uns in ihrem Garten.“
„Na gut. Ich bin ein großer Junge! Ich schaffe das!
Die Vogelmama hörte, wie Tschilp ein paar Mal mit den Flügeln an die Wand des Nistkastens schlug. Er übte. Tatsächlich trugen ihn seine Flügelchen nach oben, zum Loch des Nistkastens hinaus. In die Luft. In den Wind. Immer höher. Dorthin, wo es leckeres Essen gab.
Er wollte gar nicht mehr aufhören, zu fliegen. So schön war das! Seine Geschwister und der Papa warteten schon auf ihn.
Auch die Mama, die hinterher geflogen war, lächelte, weil Tschilp es geschafft hatte.
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