Von Tobias Sütterlin
Ich bin verliebt! Gerne würde ich Dir davon erzählen aber noch fehlen mir die rechten Worte.
Daher lass uns etwas zurückblicken.
In alter Zeit kam ich in eine kleine Stadt in Mitteldeutschland. Es war Frühling und ich fühlte in mir eine Erregung, eine Mischung aus Abenteuerlust und Furcht.
Mein Pferd, ein großes schwarzes Tier, und der schöne Reitanzug gaben mir ein Gepräge von hohem Stand. So kam es, dass man herbeieilte und mir den Steigbügel hielt. Ich bekam das schönste Zimmer im Gästehaus und Theo, so nannte ich mein treues Ross, einen schönen Platz im Stall. Keiner wusste, wer ich war und woher ich kam aber schon am ersten Abend wurde ich an den Tisch des Bürgermeisters gebeten und fürstlich bewirtet. Wir unterhielten uns prächtig.
Die Stadt lag an einem kleinen Fluss und die Gebäude waren in sinnvoller Anordnung um den Markt und die hübsche Kirche erbaut. Ich hatte den Gedanken, dass hier eine kluge Frau die Geschicke lenkte. Es wurde ein gutes Bier gebraut und alles war hübsch aufgeräumt und unterhalten.
Meine Kenntnisse in allerlei Wissenschaften halfen mir damals oft, die Gunst der ach so wichtigen Männer zu erheischen und mein gepflegtes Aussehen war den Damen ein Wohlgefallen. Blieb ich irgendwo zu lange, gab es freilich Neider und einfache Geister, die mir die Stimmung verdarben. Dann wurde es Zeit, Theo zu satteln.
Der Bürgermeister hatte eine Tochter. Das Mädchen war keine Schönheit aber blitzgescheit und nicht auf den Mund gefallen. Mir gefiel das sehr, aber den Burschen im Ort war sie wohl zu flink im Kopf und zu schnell mit der Zunge. Ich traf sie zufällig an der Furt, als ein Händler mit großen Wagen versuchte den Fluss zu queren. Kräftiger Regen hatte den Fluss anschwellen lassen. Sie rief ihm zu, er solle doch besser einen Tag warten, bis das Wasser abgelaufen sei.
Wir alle wissen, was darauf geschah.
Unser Stelldichein an einem warmen Tag im Mai endete, wie es enden musste und ich reiste am Tag darauf ab.
Als ich wieder in die Gegend kam, war die Stadt gewachsen. Eine riesige Kirche stand protzig und abweisend auf einem künstlichen Hügel. Am alten Marktplatz gab es ein Gasthaus mit einem guten Bier und einer Wirtin, die mir vertraulich zuzwinkerte.
Ein Krieg zog auf. Immer wieder muss ein eitler Fürst sein Mütchen kühlen und dafür seine besten Männer töten lassen. Es ist ein Jammer. So geht es seit Menschengedenken und wahrscheinlich werden sie es nie lernen.
Mit der kaiserlichen Post entfloh ich dem Rasseln der Säbel über das große Gebirge ans blaue Meer. Unter der südlichen Sonne ist die Liebe ein Rausch, wie ein ewiger tanzender Sommer.
Manche schöne Maid und auch einige Burschen verloren ihr Herz, ihre Unschuld und einiges mehr an mich.
Viele Jahre später, im goldenen Prag, war es die Tochter eines Filmproduzenten. Sie war so schön wie ein Frühlingsgedicht. Unsere Liebe war so rein wie ein Kinderlachen. Die Berührung ihrer Haut ließ mich weinen und als ich sie unsterblich machte, wollte ich sterben und konnte es doch nicht.
Die Zeitalter vergehen und doch bleibt alles beim Alten.
Ich bin verliebt. Mal wieder verliebt.
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