Von Miklos Muhi

Dienstag.

Die Feiertage sind vorbei. Illusionen und Selbsttäuschung. Lügen. Gruppenzwang.

Jetzt Frühstück. Heute ist die Arbeit dran.

Vieles ist liegengeblieben. Die Welt steht an arbeitsfreien Tagen nicht still. Alle tun nur so. Jämmerlich.

E-Mail. Chatnachrichten. Fehlermeldungen. Fragen.

Dämliche Softwarefehler. Dämliche Dokumente. Dämliche Kollegen.

Dämliche Mittagspause mit dem Small-Talk-Zwang.

Feierabend. Für mich. Ich ziehe die Leine und setze meine Grenzen durch.

Ihr könnt euren Bonus sonstwohin stecken.

Zu Hause. Mietwohnung. Kein Heim. Fremd.

Wie alles. In dieser Welt. Ich bin ein Fehler im Muster.

Sporttasche wird gepackt. Ausrüstung. Wechselsachen. Handtuch.

Vorher noch 45 Minuten U-Bahn durch die Stadt.

Dämliche U-Bahn. Dämliche Lichter. Werbung. Menschen. Alles überflüssig.

Aufwärmen. Technik. Kompliziert.

Kampf. Schnelles Atmen. Gelenkschmerzen. Meine Präzision hinkt. Schläge. Nase. Kinn. Hals.

Formübungen. Noch komplizierter. Unnötig. Brauche ich für die nächste Prüfung nicht. Gehört aber zum Repertoire. Großartig.

Witzeln in der Umkleide. Blöde Männerwitze.

Rückfahrt. Alles noch schlimmer.

Im Bett. Müde. Nicht schläfrig.

Lange wach. Dann wieder. Wirre, sinnlose Träume.

 

Mittwoch.

Frühstück. Idiotische Eier. Man kann sie kaum schälen.

Büro. Laut. Voll. Unverständnis. Unklarheit.

Knappe Termine. Hätte schon gestern fertig sein müssen.

Verkneife mir, zu sagen, was man mit der Aufgabe sexuell anstellen sollte.

Alles nutzlos. Schon wieder.

Zu Hause. Vier Wände. Unwohlsein.

Sporttasche.

Diesmal fahre ich mit dem Fahrrad. Etwas ruhiger.

Aufwärmen. Schwer. Belastend. Gelenkschmerzen. Muskelzerrungen kündigen sich an.

Technik. Kraft. Zweikampf.

Wut.

Ich schlage zu. Immer wieder.

»Nicht so brutal!«, ruft der Trainer.

Doch.

Die kühle Abendluft hilft den Muskeln.

Im Bett. Müde. Nicht schläfrig. Schon wieder.

Herumwälzen. Sinnlos.

Wenig Schlaf.

 

Donnerstag.

Wecker. Frühstück. Das Gleiche wie jeden Tag. Dämlicher Quark. Dämliches Brot.

Büro. Arbeit. Alles wie gehabt. Wozu das Ganze?

Niemand will Antworten hören.

Ich frage nicht mehr. Sinnlos.

Feierabend. Genauso sinnlos.

Training.

Technik. Kampf. Form.

Etwas unbefriedigend.

Sie werden bei der Gürtelprüfung durchfallen. Widerstand ist zwecklos.

Wie alles andere.

Wenig Schlaf. Mehr Müdigkeit. Mürbe.

 

Freitag.

Frühstück.

Kurzer Tag, voller Besprechungen.

Keiner weiß, was ich hier zu suchen habe.

In den Meetings. In dieser Welt.

Schon am frühen Nachmittag zu Hause.

Einkaufen. Lustlos. Sinnlos.

Putzen, damit es wieder alles dreckig wird. Müll runterbringen.

Und täglich bellt mich der Hund des Nachbarn durch die geschlossene Wohnungstür an.

Kein Training heute.

Morgen wird für die nächste Woche und das Wochenende gekocht. Wie immer.

Es ist alles da.

Nur Aussichten fehlen. Oder Hoffnung. Was auch immer das sein mag.

Dämliche Menschheit.

Ich habe das Ganze satt.

Pillen. Eine Handvoll. Ein Glas Wasser. Weitere Pillen. Gegen Reisekrankheit und Erbrechen.

Leben. Nutzlos. Zwecklos. Überflüssig.

Dunkelheit.

Ende.

 

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Hinweis:

Wenn Sie sich selbst in einer Krise befinden:

Österreich: 142 (TelefonSeelsorge, 24h)

Deutschland: 0800 111 0 111

Schweiz: 143 (Die Dargebotene Hand)

 

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