Von Christiane Labusga
Er hat sie alle, die Big Five. Nein, Natürlich nicht mit der Kamera, er ist ein echter Mann, und nein, natürlich nicht immer „legal“. Was auch immer, so sagt er gern, das heißen mag.
Das Großwild hat er also abgeschlossen, nicht gerne, wie seine Freunde wissen. Hat ihm immer Spaß gemacht, zu lauern. Das beste Tier auszusuchen (obwohl er immer vom Darwinismus schwafelt, wählt er nie das schwächste Tier, sondern immer das prächtigste), zu zielen – sich Zeit zu geben, zu sehen, – zu treffen! (Nun gut, nicht immer optimal, manch wundes Tier rannte weg. Kein Grund, dem nachzugehen, es gab so viele mehr, bequemer zu erreichend Ziele – und auch die Mentalität des Veranstalters: einem Tier, das nicht sofort tot ist, die Würde zu geben, allein zu sterben:
Ja, das hat ihm gefallen. Er ballerte oft sinnlos in Hecken und Bäume, um die Würde zu geben, zu sterben. Er kann jetzt noch darüber lachen. Sollten doch die Eingeborenen sich um die Reste kümmern, sein Interesse galt nur den Trophäen. Aber Würde geben, wer außer ihm, war dazu in der Lage?)
Jetzt sitzt er zu Hause, der Treppenaufgang geschmückt von seinen Trophäen, besonders gefällt ihm immer noch das Nashorn, wie es in den Flur hineinragt, während ihn der Elefant mit seinen Stoßzähnen, geht er die Treppe in den ersten Stock hinauf, lediglich vom zweiten herab beschattet. Aber Elefanten waren so ein leichtes Ziel, und Nashörner so viel kleiner. Die Katze, natürlich, noch viel kleiner, er lacht, aber richtig verschlagen. Er gießt sich einen Whiskey ein, tritt vor den Kamin: Zeit für Erinnerungen.
Aber die wollen nicht kommen. Stattdessen ein Gefühl der Leere. Da muss noch etwas sein, etwas fehlt. Er gießt sich nach. Und gießt sich nach. Und …
Wenige Tage später klingelt es. Die Hauswirtschafterin bringt einen Umschlag, ohne Briefmarke, ohne Stempel. Mit seinem Namen darauf.
„Langweilig!“, ist sein erster Gedanke: „Da will mich wohl jemand erpressen.“
Als er aber den Umschlag geöffnet und die Nachricht gelesen hat, sinkt er in seinen Sessel tiefer hinein und beginnt nachzudenken.
Angeblich hat sein italienischer Freund ihn weiter empfohlen. Der hat sie auch schon, die Big Five. Ja,der war, wenn er sich zurück erinnert, genauso drauf, wie er selbst: Immer nur das Beste, und keine Gefangenen, wenn mal was daneben ging. Er lacht. Ja, hahaha. Sein Jagdinstinkt meldet sich wieder: The Big Six, steht da. Er muss es überschlafen. Seiner Frau kann er nichts sagen. Und keine Trophäe mitbringen.
Aber der Spaß, die Spannung. Und sich wieder wie ein echter Mann fühlen!
Er bucht die Safari. Safari Sarajevo.
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