Von Eva Fischer

Da ist ein Riss in der Wand.

Man muss das Gebäude einreißen!

Oder die Wand kitten?

Schwierig.

 

Der Schweiß rinnt ihnen aus den Poren. Es ist der Ärger-Schweiß, der sich in einer Woche angesammelt hat. Ärger mit dem Chef und den Kunden. Ärger mit zu früh Aufstehen und zu spät ins Bett kommen. Ärger mit Träumen, die wieder mal zerplatzt sind. Ärger mit den Passanten in der Bahn, die einem zu nahekommen und stinken. Ärger, wenn es mal wieder nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat.

Es ist also kein Schweiß, den der Klimawandel verschuldet hat, denn es ist eine Zeit, da es das Wort noch nicht gibt, eine Zeit, in der man sich mit der Freundin analog ausquatscht und das Handy noch in seinen rudimentären Anfängen steckt.

Das Schönste am Schwitzen ist die anschließende kalte Dusche, wenn das Wasser allen Ärger endgültig wegschwemmt und man sich die Haare schüttelt, sie von dem Zwang befreit, eine passable Frisur darstellen zu müssen.  Und dann stürzen sie sich ins Schwimmbecken, spritzen sich voll, kichern, ignorieren die Älteren, genießen die anerkennenden Blicke der Männer, die eine Annäherung per Small Talk versuchen. Vielleicht wird es mal mehr. Eher nicht. Denn dann sind die beiden schon in ein Gespräch vertieft, knipsen die Außenwelt aus. Sie setzen sich auf die Terrasse, wo Blumenkübel für Farbtupfer sorgen und der Sektkübel für gute Stimmung.

Es ist ein schöner Ort, dieser Freitag-nach-der-Arbeit-Ort, ein Anker im Strudel des Alltags, ein Ort für die Ewigkeit, so glauben die beiden, denn sie sind zu jung, um zu wissen, dass der Rost der Zeit alle Ewigkeit zerbröckeln lässt.

Zwanzig Jahre später und der Ort existiert nur noch in der Erinnerung. Lena versucht ihn wirklich eines Tages ausfindig zu machen. Geschlossen wegen Energiekrise steht im Internet. Sie fährt dennoch hin, sieht die Risse in der Wand. Die Hortensien sind längst vertrocknet. Eine Maus huscht über den einst gepflegten Rasen. Die Freundin ist wegezogen. Die Ehemänner sind jetzt die Gesprächspartner. Die Krankheiten lähmen die Beweglichkeit. Vielleicht gibt es mal ein Face to face Gespräch.

 Was soll man schon sagen?

Aber jedes Mal, wenn das Thermometer auf 40 Grad klettert und mir der Schweiß über die Stirne rinnt, da denke ich an sie.