Von Claudia Schäckel

I.

Angespannt stieg er auf der Fahrerseite in ihren Wagen. 

Er fuhr sehr ungern im Dunkeln, vor allem wenn er die Umgebung nicht kannte. 

Er fuhr sehr ungern ihren Wagen, vor allem wenn sie mit leichtem Alkoholspiegel als Beifahrerin neben ihm saß. 

Und vor allem fuhr er sehr ungern ihren Wagen nach Hause, wenn sie schon den ganzen Abend schlecht gelaunt und widerwillig mit, in ihren Augen, Zeitverschwendung verbracht hatte. 

Seit Wochen untergrub sie die Geburtstagseinladung seines langjährigen Schulfreundes. Sie mochte ihn nicht und sie hielt dieses Erinnerungsgehabe für unnütz. Ihre Ablehnung tauchte immer wieder mehr oder weniger unauffällig in Unterhaltungen auf, floss in sie ein. Sie versuchte, den Abend und die alten Freunde schlechtzumachen. Unbeirrt hielt er an dem Treffen fest. Sie begleitete ihn und trug, für alle sichtbar, ihre Ablehnung vor sich her.

Jetzt verließen sie die Party und sie war leicht angetrunken. Nach einem ganzen Abend mit herablassenden Bemerkungen und zugeflüsterten Bosheiten würde er nun auch noch sie und ihren heiligen Wagen nach Hause fahren müssen. Er würde sowieso nichts richtig machen.

„Pass auf beim Ausparken, das Auto ist viel größer und hat mehr PS als deine Einkaufstasche.“, brummte sie und zog die Tür heftig hinter sich zu.

Er atmete tief durch und startete den Wagen. Den ganzen Abend war sie in seiner Nähe geblieben. Ihre schlechte Laune machte es ihm schwer, sich über das Treffen mit seinen Schulfreunden zu freuen. Sie hatten sich alle so lange nicht gesehen und jetzt verhinderte sie jede angenehme Unterhaltung durch ihre Präsenz als „düsterer Schatten“. Mühsam schaffte er es, sich mit seinem früheren, besten Freund für kurze Zeit von allen anderen abzusetzen und das Gefühl einer zwanglosen Unterhaltung zu genießen.

„Weiter rechts. Der Wagen hat eine Rückfahrkamera. Die kann man benutzen.“

Mit feuchten Händen starrte er auf das Display und steuerte den Wagen langsam rückwärts aus der Einfahrt. Den ganzen Abend versuchte er, sie immer wieder in ein gutes Licht zu rücken. Er erzählte von ihren Unternehmungen und Besuchen bei Freunden. Ihre Freunde? Kam die Gegenfrage.

„Grüner wird’s nicht!“, motzte sie laut.

Er wurde aus seinen Gedanken gerissen und fuhr ruckartig an. 

Ein Wagen kam noch mit hoher Geschwindigkeit von rechts und schnitt ihm den Weg ab. Erschrocken trat er auf die Bremse. Der andere Wagen behielt sein Tempo bei und verschwand in der Nacht. 

Die Ampel wurde wieder rot.

Der Fahrer hinter ihm hupte frustriert und anhaltend.

„Du bist zu blöd, um auf den Verkehr zu achten! Mein Wagen ist ein halbes Vermögen wert! Konzentrier dich wenigstens einmal.“

Ich wollte, dass wir mit meinem Auto fahren, antwortete er ihr in Gedanken. Dann müsstest du dir keine Sorgen um dein heiliges Gefährt mit einem unfähigen Fahrer am Steuer machen. 

Aber in einem Smart vorzufahren, wäre ja unter deiner Würde gewesen. 

Du hast versprochen, nichts zu trinken, hielt er ihr innerlich vor. Ich hasse es, dein Auto zu fahren. Weil ich es aus Prinzip nicht richtig machen kann.

„Grün!“, ihre Stimme, zu laut und wütend.

Vorsichtig, in alle Richtungen absichernd, fuhr er an und überquerte die Kreuzung.

Hochkonzentriert kamen sie langsam in bekannten Straßen und er entspannte sich etwas.

Kurz vor ihrem Zuhause sprang plötzlich ein Eichhörnchen direkt vor ihm über die Straße. 

Er trat die Bremse durch, lenkte zur Seite, mit einem Knall gegen einen Poller. 

Ihr Kopf schlug gegen die Seitenscheibe. 

Er starrte auf die Front des Wagens, die verformt um den Poller geschmiegt war.

 

II.

 

Angespannt stieg sie auf der Fahrerseite in seinen Wagen. 

Sie fuhr sehr ungern im Dunkeln, vor allem wenn sie die Umgebung nicht kannte. 

Sie fuhr sehr ungern seinen Wagen, vor allem wenn er mit leichtem Alkoholspiegel als Beifahrer neben ihr saß. 

Und vor allem fuhr sie sehr ungern seinen Wagen nach Hause, wenn er schon den ganzen Abend schlecht gelaunt und widerwillig mit, in seinen Augen, Zeitverschwendung verbracht hatte. 

Seit Wochen untergrub er die Geburtstagseinladung ihrer langjährigen Schulfreundin. Er mochte sie nicht und er hielt dieses Erinnerungsgehabe für unnütz. Seine Ablehnung tauchte immer wieder mehr oder weniger unauffällig in Unterhaltungen auf, floss in sie ein. Er versuchte, den Abend und die alten Freunde schlechtzumachen. Unbeirrt hielt sie an dem Treffen fest. Er begleitete sie und trug, für alle sichtbar, seine Ablehnung vor sich her.

Jetzt verließen sie die Party und er war leicht angetrunken. Nach einem ganzen Abend mit herablassenden Bemerkungen und zugeflüsterten Bosheiten würde sie nun auch noch ihn und seinen heiligen Wagen nach Hause fahren müssen. Sie würde sowieso nichts richtig machen.

„Pass auf beim Ausparken, das Auto ist viel größer und hat mehr PS als deine Einkaufstasche.“, brummte er und zog die Tür heftig hinter sich zu.

Sie atmete tief durch und startete den Wagen. Den ganzen Abend war er in ihrer Nähe geblieben. Seine schlechte Laune machte es ihr schwer, sich über das Treffen mit ihren Schulfreunden zu freuen. Sie hatten sich alle so lange nicht gesehen und jetzt verhinderte er jede angenehme Unterhaltung durch seine Präsenz als „düsterer Schatten“. Mühsam schaffte sie es, sich mit ihrer früheren, besten Freundin für kurze Zeit von allen anderen abzusetzen und das Gefühl einer zwanglosen Unterhaltung zu genießen.

„Weiter rechts. Der Wagen hat eine Rückfahrkamera. Die kann man benutzen.“

Mit feuchten Händen starrte sie auf das Display und steuerte den Wagen langsam rückwärts aus der Einfahrt. Den ganzen Abend versuchte sie immer wieder, ihn in ein gutes Licht zu rücken. Sie erzählte von ihren Unternehmungen und Besuchen bei Freunden. Seine Freunde? Kam die Gegenfrage.

„Grüner wird’s nicht!“, motzte er laut.

Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen und fuhr ruckartig an. 

Ein Wagen kam noch mit hoher Geschwindigkeit von rechts und schnitt ihr den Weg ab. Erschrocken trat sie auf die Bremse. Der andere Wagen behielt sein Tempo bei und verschwand in der Nacht. 

Die Ampel wurde wieder rot.

Der Fahrer hinter ihr hupte frustriert und anhaltend.

„Du bist zu blöd, um auf den Verkehr zu achten! Mein Wagen ist ein halbes Vermögen wert! Konzentrier dich wenigstens einmal.“

Ich wollte, dass wir mit meinem Auto fahren, antwortete sie ihm in Gedanken. Dann müsstest du dir keine Sorgen um dein heiliges Gefährt mit einer unfähigen Fahrerin am Steuer machen. 

Aber in einem Smart vorzufahren, wäre ja unter deiner Würde gewesen. 

Du hast versprochen, nichts zu trinken, hielt sie ihm innerlich vor. Ich hasse es, dein Auto zu fahren. Weil ich es aus Prinzip nicht richtig machen kann.

„Grün!“, seine Stimme zu laut und wütend.

Vorsichtig, in alle Richtungen absichernd, fuhr sie an und überquerte die Kreuzung.

Hochkonzentriert kamen sie langsam in bekannte Straßen und sie entspannte sich etwas.

Kurz vor ihrem Zuhause sprang plötzlich ein Eichhörnchen direkt vor ihr über die Straße. 

Sie trat die Bremse durch, lenkte zur Seite, mit einem Knall gegen einen Poller. 

Sein Kopf schlug gegen die Seitenscheibe. 

Sie starrte auf die Front des Wagens, die verformt um den Poller geschmiegt war.

 

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