Von Franck Sezelli
»Was sind Sie denn für eine Matschbirne? Sie haben Ihren Führerschein wohl im Lotto gewonnen? Sie können doch nicht einfach ohne Grund bremsen! Sehen Sie sich mein Auto an! Das wird Sie teuer zu stehen kommen!«
»Sie rücksichtsloser Raser! Sie haben doch gemerkt, dass ich gebremst habe … Dazu sind die Bremslichter da! Haben Sie das schonmal gehört, Sie Trottel?«
»Werden Sie nicht frech, Sie …, Sie …, ach, Sie dumme Trine! Ich sag’s ja immer wieder, Frauen am Steuer …«
»Schon mal gehört, Sie Verkehrsrowdy: Wer auffährt, hat Schuld!«
»Das könnte Ihnen so passen. Ohne Grund zu bremsen, sodass man einfach auffahren muss, ist so was von rücksichtslos. Oder soll das ein Versicherungsbetrug werden? Ihr Kofferraum sah doch schon vorher etwas eigenartig aus. Das war doch alles verzogen. Und das soll jetzt meine Versicherung bezahlen? Die wird Ihnen was husten!«
»Das ist eine unverschämte Verleumdung. Mein Wagen war tipp-topp, alles in Ordnung. Und wie sieht er jetzt aus? Das wird für Sie ziemlich teuer! Auffahrschäden bezahlen die meisten Versicherungen nicht, jedenfalls nicht voll. Strafe muss sein!«
»Sie, Sie sind ja zu dämlich zum Autofahren! Erst blinken Sie links, sodass ich dachte, Sie biegen ab und dann eine Vollbremsung! Das geht doch gar nicht, war doch alles frei – auch kein Gegenverkehr. Da wäre ich ganz bequem an Ihnen vorbeigekommen. Und dann einfach bremsen – ohne Grund!«
»Hören Sie doch auf, sich herauszureden. Wohin sollte ich denn abbiegen auf gerader Straße?«
»Sehen Sie nicht den Weg dort links in den Wald?«
»Sie dachten ernsthaft, Sie Vollidiot, ich würde aus voller Fahrt dort in den schmalen Waldweg einbiegen? Der ist übrigens gesperrt für Autos. Ein Reitweg, wie man an dem Schild erkennen kann. Aber das kennen Sie Raser wahrscheinlich gar nicht.«
»Das konnte man von der Straße aus dem Auto gar nicht erkennen!«
»Aber diesen schmalen Weg haben Sie gesehen? Sie lügen ja wie gedruckt!«
»Reitweg, aha! Sie sind wohl vor dem Pferd auf dem Verkehrsschild erschrocken. Das war der Grund, warum Sie so auf die Klötzer gegangen sind.«
»Sie Knalltüte! Ich hatte meinen Grund!«
»Ja, auf Ihrer Heckscheibe kann man es ja lesen: ‘Ich bremse auch für Tiere.’«
»Ja, genau! So ein rücksichtsloser Typ wie Sie kann sich das gar nicht vorstellen.«
»Hier ist weit und breit kein Tier zu sehen, Sie eingebildete Ziege! Und es war auch keins da, das hätte ich ja gesehen!«
»So! Das konnten Sie gar nicht sehen. Die lagen ja genau vor meinem Auto.«
»Wer oder was lag vor Ihrer Karre?«
»Es waren zwei Eichhörnchen. Wie tot lagen sie auf der Straße. Sie müssen von dem Baum hier oben heruntergefallen sein.«
»Es wird immer unglaublicher! Eichhörnchen, die vom Baum gefallen sind … Wo sind sie denn jetzt, ihre toten, süßen Eichhörnchen, wegen denen Sie gebremst haben?«
»Sie sind erschrocken wieder aufgewacht und dort in den Wald gehuscht.«
»Toll! Diese Geschichte wollen Sie der Versicherung erzählen? Oder dem Richter vor Gericht?«
»Wenn es aber wahr ist!«
»Wer hat denn so etwas schon gehört? Heute ist wohl ein Tag, an dem Eichhörnchen von den Ästen fallen? Ich lach mich krank, wenn es nicht so traurig wäre. Ihre verlogene Phantasie ist wohl grenzenlos?«
»Ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Sie müssen vom Baum gefallen sein und lagen auf der Straße. Außerdem habe ich das kürzlich erst gelesen. Das kommt offenbar oft vor.«
»So einen Scheiß glaubt Ihnen niemand!«
V1: 3369 Z.
