Von Franck Sezelli

Vor Zeiten war ein König und eine Königin, die wünschten sich lange vergebens ein Kind, bis dass es dann doch geschah, dass die Königin ein Mädchen gebar. Der König war vor Freude außer sich und veranstaltete ein großes Fest.

Dazu lud er auch zwölf Feen ein, damit sie dem Kind hold und gewogen wären. Die dreizehnte aber, die auch zum Königreich gehörte, sollte daheim bleiben, weil er nur zwölf goldene Teller hatte. Die Feen beschenkten das Kind mit ihren Wundergaben: mit Tugend, mit Schönheit, mit Reichtum und so weiter. Als aber die elfte ihren Wunsch gesprochen hatte, trat plötzlich die dreizehnte herein. Aus Rache, dass sie nicht eingeladen war, verwünschte sie die Königstochter, sich in ihrem fünfzehnten Jahr an einer Spindel zu stechen und tot hinzufallen. Die zwölfte Fee, die ihren Wunsch noch übrig hatte, milderte den bösen Spruch ab: »Es soll nicht der Tod der Prinzessin sein, sondern nur ein tiefer Schlaf.«

 

An ihrem fünfzehnten Geburtstag erwachte die Königstochter in ihrem Gemach im Schlossturm und es erschien ihr eine alte Frau mit einem reizvollen Gegenstand in der Hand. Neugierig fragte sie: »Was ist das für ein seltsames Ding?« Denn sie hatte solches nie gesehen und konnte sich nicht vorstellen, was damit anzufangen sei. Zudem hatte der König dergleichen überall im Land verbrennen lassen.

»Ich nenne es Spindel. Die meisten Frauen hantieren mit Freude und sehr geschickt mit ihr.«

»Darf ich mal anfassen?« Die Alte schenkte sie ihr – und ward verschwunden. Kaum hatte die Wissbegierige das Ding angerührt, überkam sie eine Lust, sie in einer Weise auszuprobieren, an die sie zuvor nie gedacht hätte. Es war die Alte, die böse dreizehnte Fee, die ihr den Gedanken eingegeben hatte. So ging der Zauberspruch in Erfüllung, und sie stach sich damit. Von dem Augenblick an fiel sie in eine tiefe Lethargie.

Sie schlief oft tagelang, hatte zu nichts Lust und kam kaum noch aus dem Bett. Von dem fröhlichen jungen Mädchen, an dem alle im Schloss ihr Herz erfreut hatten, war außer der unglaublichen Schönheit nichts mehr übrig. Vielen kam die Prinzessin vor wie eine verschlossene Rosenknospe. Über das Schloss legte sich wie ein grauer Schleier eine große Verzagtheit, die auf das ganze Reich übergriff. Selbst auf den Bäumen vor dem Schloss schien sich kein Blättchen mehr zu regen. Das ging eine lange lange Zeit so. Manche sprachen schon von hundert Jahren Schlaf, der das Schloss erfasst hätte.

Nur die wundervollen Erzählungen der zwölften Fee, welche die Königstochter ab und zu in ihrem Gemach heimlich besuchte, konnten die Stimmung des Mädchens manchmal aufhellen. Sie berichtete von tapferen Rittern und edlen Prinzen, die sich in Liebe nach einer schönen Frau verzehren und alles für sie tun und immer für sie da sind. Die Fee malte der jungen Prinzessin das zukünftige Leben an der Seite eines starken Mannes in den schönsten Farben, sodass sie sich oft nach einem schönen und klugen Königssohn sehnte und von ihm träumte.

Die königlichen Eltern aber, die davon nichts wussten, machten sich große Sorgen um ihre oft misslaunige und teilnahmslose Tochter. Als sie das rechte Alter erreicht hatte, meinten sie, nur eine Heirat könne den Fluch aufheben. Sie ließen überall verkünden, dass ein edler Prinz gesucht würde, der die wunderschöne Prinzessin freien könne.

So kamen von Zeit zu Zeit Königssöhne in das Schloss, aber es gelang keinem, zur Königstochter durchzudringen. Keiner entsprach ihren Wunschträumen. Alle, alle wurden von ihr zurückgewiesen. Es gab einige, die bis in ihr Kämmerlein durften, sich danach aber so verletzt und gekränkt zeigten, dass sie ihres Lebens nicht mehr froh wurden. Auch wenn sie meinten, das Ziel fast erreicht zu haben, so schafften sie die letzte Hürde nicht. Das Volk munkelte von unüberwindbaren Dornenhecken und stumpfen Schwertern der unglücklichen Jünglinge und dass manche eines traurigen Todes starben. Von der Königstochter sprach man deshalb nur noch als Dornröschen.

Nach langen langen Jahren kam wieder einmal ein Königssohn in das Land und hörte von der verwunschenen Prinzessin. Der kühne unerschrockene und stattliche Prinz ließ sich auch von den Erzählungen der Leute über die Jünglinge, die bei dem Versuch, die Königstochter für sich einzunehmen, den Tod gefunden hätten, nicht abhalten. Mutig sprach der Königssohn: »Ich fürchte mich nicht, ich will hinaus und das schöne Dornröschen sehen.«

Als er zum Schloss kam, sah er auch eine Dornenhecke mit lauter großen schönen Blumen, die tat sich von selbst aus­ein­an­der und ließ ihn unbeschädigt hindurch. Das konnte das unüberwindbare Hindernis nicht sein. Er ging voller Bangen und Zweifeln weiter, und alles war so still, dass einer seinen Atem hören konnte. Endlich gelangte er im Turm vor eine Tür, an der er mit Herzklopfen lange lauschte. Es war still im Raum. Er traf die längst fällige Entscheidung und öffnete die Tür.

Da lag die Königstochter im Schlaf und war so schön, dass er die Augen nicht abwenden konnte. Zögernd näherte er sich der Schönen, bückte sich und gab ihr einen zarten Kuss. Wie er sie mit dem Kuss berührt hatte, schlug Dornröschen die Augen auf und erwachte. Sie fuhr ihn an: »Schon wieder einer …! Wer seid Ihr?« Aber als sie den prachtvollen Jüngling mit großen Augen genauer ansah, kam er ihr vor wie aus einem ihrer sehnsuchtsvollen Träume. Freundlicher fragte sie nur: »Was wollt Ihr?«

Er nannte seinen Namen und Stand und trug sein Begehren vor: »Ich bin gekommen, weil ich Euren Liebreiz im ganzen Lande rühmen hörte. Darf ich Euch erneut küssen, liebste Prinzessin?« Gern gewährte sie ihm diese Bitte. Es wurde ein langer, beide jungen Leute sehr anregender Kuss. »Ihr schmeckt so köstlich, Eure Lippen sind so zart und weich, ich könnte Euch immer weiter küssen.«

»So tut es doch, lieber Prinz!«

»Gern! Ich hörte so viel von Eurer Schönheit und möchte sie in Gänze bewundern und Euer Freier sein. Bisher sehe ich aber nur das liebliche Köpfchen und Arme wie von Elfenbein. Darf ich Eure Bettdecke zurückschlagen?«

»O nein, das wäre nicht rechtens. Denn ich trage kein Nachtgewand, während Ihr in Wams und Hose, gegürtet mit einem Schwert, hier vor mir steht.«

»Das lässt sich doch ändern, holde Süße!« Er legte sein Schwert ab und stellte es in eine Ecke. Dann kam er zum Bett zurück und fragte die Erwartungsvolle: »Helft Ihr mir, das Nestelband zu lösen, während ich das Wams aufknöpfe?«

Es reizte die Königstochter sehr zu sehen, wie ihr Traumprinz unter der Kleidung aussah. So bedachte sie nicht, dass sie ihre Brüste entblößte, als sie sich aufrichtete, um an die Mannestaille zu kommen und die Hose vom Wams zu lösen.

»Oh, welch zauberhafter Anblick!« Der Königssohn nahm die Hände von der Knopfleiste und konnte nicht anders, als die weißen Hügel zu streicheln. Er gab Dornröschen erneut einen Kuss. Zunächst auf den Mund, dann küsste er die Spitzen dieser süßen Brüste. Das Mädchen sog die Luft ein und seufzte: »Oh, was für ein Gefühl!«

Der Mann richtete sich wieder auf und schaute voller Bewunderung auf die reizvolle Gestalt, die da vor ihm im Bett saß.

»Komm, lass uns weitermachen!«, drängte die Königstochter, denn sie wollte auch mehr sehen. Als sie das Band aus den Schlaufen gezogen hatte, fiel die Hose.

Schnell warf der Freier auch das Wams ab und entledigte sich der restlichen Kleidung. Mit großen Augen besah sich die Königstochter den schönen jungen Mann, wie er da so unverhüllt vor ihr stand. Unwillkürlich erinnerte sie sich an die Spindel, die ihr die geheimnisvolle Alte vor Jahren geschenkt hatte.

»Darf ich mal anfassen?«, fragte sie auch jetzt wieder.

Der Königssohn ließ sie gewähren, aber nur kurz, dann schlug er die Bettdecke zurück und war sehr angetan von den Reizen, die sich seinen Augen darboten.

»Eure Schönheit verzaubert mich, liebste Prinzessin!«, rief der Prinz aus und gab ihr erneut einen verlangenden Kuss. Als sich die Münder des Paares voneinander lösten, um Luft zu schöpfen, widmete er sich mit Händen und Lippen den wohlgeformten Brüsten der Begehrten. Dann suchte sein küssender Mund den Weg über den weichen Leib immer weiter hinunter.

»Was macht Ihr da? Ihr wollt doch nicht …« Die Prinzessin stammelte nur, gab sich aber dem erregenden, für sie ganz neuartigen Tun des Mannes völlig hin.

Küssend im Schoß Dornröschens angelangt, sah er sich einem Dickicht gegenüber, das ihm den erstrebten Zugang zu verwehren schien. Der junge Mann hatte – nur ganz kurz – Bilder von Dornenhecken, zerbrochenen Schwertern und schmählich zu Tode gekommenen Jünglingen im Kopf. Aber er ließ sich nicht entmutigen, strich zärtlich mit der Zunge über das stachelige Hindernis, das sich ihm schließlich öffnete und den Blick auf süße Lippen, Rosenblätter und eine kleine Knospe freigab. Der Prinz küsste begehrlich diese Lippen und die anderen Kleinodien, bis das Mädchen lustvoll stöhnte und ihn nach oben zog. Und siehe da, ihm wurde Einlass gewährt. Dornröschen umarmte ihn verlangend und strahlte ihn liebevoll an. Innig vereint wiegten sich die zwei in einem sich immer weiter steigernden Glücksgefühl und konnten nicht genug voneinander spüren, bis sie von einer heißen Welle erfasst und davongetragen wurden.

Wieder zu Atem gekommen, hielten sie sich fest in den Armen und schauten sich glücklich an. »Oh, was war das? Ich möchte Dich nie mehr hergeben, mein Liebster!«, flüsterte Dornröschen.

»Und ich erst! Du sollst meine Frau werden und ein Leben lang bei mir bleiben!«

 

Dann gingen sie zusammen herab zum König und der Königin, die sahen einander mit großen Augen an. Es war, als ob der graue Schleier, der über allem gelegen hatte, mit einem Mal fortgerissen ward. Fröhliches buntes Leben und Treiben zog wieder in das Schloss ein. So wurde bald die Hochzeit des Königssohns mit dem Dornröschen in aller Pracht gefeiert, und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende.

 

 

Version 2