Von Clara Sinn

Was es alles für Vollmonde gab!
Neuerdings.

Würde also ihr Haarschnitt diesmal auf den Blutmond fallen.
Was nicht sehr gut klang.

Seit sie sich kannte, plante sie ihre Frisörbesuche strikt nach dem Mondkalender.
Was nichts half.

Egal, wie teuer der Laden, wie hipp oder öko, das Ergebnis jedes Mal gleich. Armselig. Bei abenteuerlichsten Erklärungen. „… kann nicht schneiden, was nicht auch für mich schön ist …“ Da hätte vor den Nebensatz ein Punkt gehört.

Wie oft kam sie aus einem heiß empfohlenen Salon und musste nochmal drangehen. Mit der gnadenlosen Schere. Sie wollte einen guten Schnitt. Nicht eine tolle Frisur. Missratene Grundschnitte mit kiloweise Haarspray hinpeppen konnte jeder Depp. Und dann am nächsten Morgen … allerspätestens nach der nächsten Haarwäsche … ääh!

Einmal war sie mit der Schwägerin mitgegangen. Diese hatte sich, mit Geburt der Enkelin, die Farbe kontrolliert rauswachsen lassen wollen. Sich einen Schnitt gewünscht, der maximal kurz war und die alte Koloration nur noch in den Spitzen vorhanden. Damit es den Anschein haben konnte, es sei von vorn herein so gewollt.

„Wenn ich nicht färben kann, schneide ich auch nicht!“ Nein, nein!

Um es kurz zu machen, die Schwägerin musste die Stammfrisörin, zu der sie ihr eben noch so dringend geraten hatte, tatsächlich nach fast dreißig Jahren wechseln.

Sie selbst hatte nur Strähnchen gewollt. Einige ganz dünne. Nur minimal hineingemogelt. In die ergrauten Wellen. Hatte sich bei ihrem Paralleltermin zur idealen Schummeltönung irrtümlich tatsächlich auf die „so total kundige“ Farb- und Keralogie-Expertin verlassen.

„Das wäre dann aber ein ganz, ganz schlechtes Haarbild!“ Indiskutabel!

Krochen also an besagtem Tag zwei unzurechtgemachte vollbegossene Pudeldamen aus dem Salon der harschen Demütigungen.

Dabei war das damals nur ein normaler Vollmond …

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