Von Simone Tröger
Seit gestern gehört Weihnachten für dieses Jahr der Vergangenheit an. Jetzt heißt es „Vorsätze für das neue Jahr schaffen“. Es sind ohnehin jedes Jahr die gleichen Dinge, die ich ändern will.
Also muss ich die nicht noch einmal ausformulieren. Wohin das führt, ist bekannt, vielleicht wird es aber endlich anders. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Im Januar bin ich immer enthusiastisch und euphorisch und reagiere aggressiv wie ein Kasuar, der sein Gelege bewacht, wenn einer mich dazu verleiten möchte, in alte Gepflogenheiten zurückzufallen.
Im Februar bin ich auch noch gut dabei, zu verteidigen, was ich mir erträumt habe. Gegen jede Anfeindung trete ich für meine Ziele ein. Der Lottogewinn gehört mir!
Im März sehne ich mich zuweilen zurück zu bequemeren Tagen. Nicht, dass ich in Trauer versunken bin. Nein, ich harre noch immer der Dinge, die da kommen mögen. Der Gedanke daran lässt mich grinsen, als habe ich mit zu viel Botox nachgeholfen. Meine Mundwinkel sehen keinesfalls aus wie beim Kasuar, sondern eher wie bei einem Erdmännchen, das nicht mit Ärger konfrontiert werden möchte.
Der April sagt „Das schaffst du schon“. Tatsächlich gibt es Erfolge bei meiner Challenge mit mir selbst. Also doch! Habe ich es gewusst! Seht ihr? Ihr könnt mich alle einmal…
Der Frühlingsduft im Mai lässt meinen Vorsatz zu Luft werden. Nun konzentriere ich mich aufs Blumen-pflanzen. Mein Vorhaben ist jedoch nicht so robust wie Gänseblümchen.
Der Juni ist allein dazu da, um Pläne für die Ferien zu machen. Niemals spricht jemand von Urlaub auf Madagaskar. Alle werden staunen, denn ich mache es ihnen vor. Mal schauen, wer größere Augen macht. Die Nachbarn oder die Lemuren.
Der Juli ist zum Relaxen erfunden worden. Schließlich hat die Urlaubssuche Kraft gekostet. Auch sonst ist der Stress des letzten halben Jahres to much, und Kofferpacken muss ich auch noch. Erwarten kann ich es kaum noch, im Flieger zu sitzen, Tomatensaft zu trinken und mich vom süßen Nichtstun einlullen zu lassen.
Der August hat mit barfuß durch Sand laufen, unter Palmen vom Schlaraffenland träumen und auf Dschungelpfaden begonnen. Was will man mehr? Vorsatz vom Januar? Was ist das? Was soll das? So geht es doch auch!
Jetzt im September habe ich wieder Energie getankt. In mein Bestreben vom Jahresbeginn knie ich mich voll hinein. Es wird aufgeholt, was ich in den vergangenen acht Monaten versäumt habe. Jedenfalls nehme ich mir das vor.
Der Oktober ist auch noch ganz Ohr und glaubt meinen Verschwörungstheorien, wenn ich behaupte: „Du wirst sehen, bis Ende des Jahres hole ich alles auf!“
Das Novemberwetter ist so trüb, wie die Aussicht auf Gelingen meines Planes. Bei aller Gemütlichkeit in der warmen Wohnung – für den Rest des Jahres lohnt es sich auch nicht mehr, irgendetwas anzufangen.
Aufgrund dessen überlege ich im Dezember „Welchen Vorsatz gibt es im neuen Jahr für mich?
Es wird genau dieser sein! Eventuell schaffe ich es im nächsten Jahr! Bestimmt! Dann aber richtig! Gleich zu Beginn des Jahres leg ich los!
Im Januar bin ich immer…
V1 3040
