Von Clara Sinn

Neben Sprühsahne, Sekt und Avocado ungeniert Fön.

Plötzlich beschlich sie dieser Eindruck, der Einkaufszettel vermeldete irgendwie die Wahrheit. Aber waren denn die Haartrockner heutzutage nicht allesamt gesichert?

Sie stellte sich vor, dass er seine Nebenfrauen aufs Nachhaltigste loswurde. Sekt mit Avocadocanapés. Als Verheißung. Anstoßen, einen Happen zu sich nehmen … und vor dem großen romantischen Candle-Light-Dinner noch ein Candle-Light-Bad …

Er war hochgradig intelligent, ausnahmebrillant … Und sie verblieb mit dieser Frage, wie es sich anfühlte, mit einem brillanten Mörder zusammen…

Auf dem Einkaufszettel stand es, schoss es ihr unvermittelt durch die Eingeweide, korrekt geschrieben, wohingegen er sonst diesen Spleen hatte, unverbesserlich „Advocado“ zu sagen. Auch bei anderen Worten, musste man wissen, kultivierte er hartnäckig diese auffällig ähnlichen absurden Varianten.

Wie war sie überhaupt an so jemand geraten?

Sie wollte dem ständigen Abgewertetwerden entkommen, dem ewigen Abgetansein, dieser aufgedrückten Bedeutungslosigkeit, anderen nur Ausgebeutetseinserlaubnis und Ausgeweidetwerdensfreibrief zu sein, endlich entfliehen.

War vom Regen in die Traufe gekommen.

Dich kann man übergehen. Dir kann man alles antun.
Genau das. Hatte sie.

Zugelassen.

Bisher.

Er kannte ihre Wünsche. Und ignorierte sie.
Sie kannte ihre Wünsche. Und ignorierte sie nicht.

Seit so vielen Jahren ließ er sie eiskalt damit auflaufen zusammenzuziehen. Hatte sich nie zu ihr bekannt. Erlaubte ihr auch nicht, Sachen bei ihm zu deponieren. Bis auf die sprichwörtliche Zahnbürste. Und ein Paar Hausschuhe. Mit seinem Bad und dem Teppichboden war er von je her empfindlich …

Wenn sie es recht überblickte, hatte er vor, zu Kaufland zu fahren.

Die Schlappen passten. Locker. In die Handtasche. Die Zahnbürste entsorgte sie. Leichthin. In den Müll.

Er hatte die ganze Zeit auch anders gekonnt. Er wollte nur nicht. Avocado …

„Mir kann keiner“, hatte er rumgetönt, dabei wäre das nie ein Thema gewesen, dies berüchtigte ‚Abhängigkeitsverhältnis‘, sie war von Anfang an nur auf Zeit in seinen Bereich abgeordnet, stets ‚externe‘ Fachkraft verblieben, „ich bin Single.“

Bitteschön.